Berufliche Bildung Schulwoche Sabine

SCHULE
Berufliche Bildung
Holpriger Start ins Jobleben

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Hauptsache Abitur. Oder? Unser Schulsystem hier in Deutschland baut auf Familien gehörig Druck auf. Denn vor allem mit höherer Bildung haben unsere Kinder später Chancen auf gute Gehälter. So zumindest war es dem letzten Bildungsbericht zu entnehmen:

 

“Demnach verdienen Akademikerinnen durchschnittlich fast acht Euro pro Stunde mehr als Frauen mit einer beruflichen Ausbildung. Bei den Männern macht der Unterschied sogar neun Euro aus.”

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Es geht ums Glück

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Nur… Was wäre, wenn es gar nicht ums Geld gehen würde. Sondern ums Glück. Was, wenn meine Kinder gar nicht gerne theoriebasiert arbeiten würden, sondern ganz praktisch. Sagen wir es so: Sie hätten es wohl gegenwärtig aus verschiedenen Gründen nicht ganz leicht. Vor allem liegt das für mich daran, dass berufliche Bildung in Deutschland einen ungerechtfertigt niedrigen Stellenwert einnimmt. Das erklärte Bildungsziel vor allem in Familien, in denen die Eltern selbst eine Hochschule besucht haben? Das scheint auf den ersten Blick inzwischen das Abitur, bzw. das Studium zu sein. Anfang der 1950er Jahre lag die Studienanfängerquote in Deutschland bei etwa fünf Prozent, 2016 bei 56,7 Prozent. Bei den Abiturientinnen und Abiturienten sieht es ähnlich aus. Gleichzeitig geht die Zahl der Ausbildungen in Deutschland zurück. Julian Nida-Rümelin beklagt: 

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“Weiter wird unverdrossen die Botschaft verbreitet, das Abitur sollte zur Regel werden und das Studium das von allen angestrebte Ziel sein. Dann blieben nur diejenigen für eine Ausbildung im dualen System, die auf diesem Wege irgendwo gescheitert sind.”

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Ausbildungsplatz verzweifelt gesucht

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Selbst wenn dann die Entscheidung für eine berufliche Laufbahn gefallen ist, sieht es nicht unbedingt rosig aus. Während im Süden Deutschlands Auszubildende händeringend gesucht werden, sieht es überall sonst – vor allem in Ostdeutschland – eher mager mit Ausbildungsplätzen aus. Laut Berufsbildungsbericht ziehen sich vor allem Kleinst- und Kleinbetriebe aus der Ausbildungsinfrastruktur zurück.

Das bedeutet für die Jugendlichen, dass sie in der Warteschleife hängenbleiben. 292.000 Menschen waren das konkret 2017 (das ist die aktuellste Zahl, die mir vorlag). Also fast 300.000 Jugendliche, die auf dem Weg in ihre berufliche Zukunft waren, wurden notgedrungen ausgebremst. Die Versorgungslücke zwischen Schulabschluss und beruflicher Ausbildung – sei es im Betrieb oder in einer Berufsschule – sollte eigentlich durch das sogenannte Übergangssystem geschlossen werden.

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Sprich: Die Schulabgänger*innen sollten dort beispielsweise erste Berufserfahrungen sammeln oder einen Schulabschluss nachholen. Derzeit aber ist das Übergangssystem kaum geregelt, von Bundesland zu Bundesland verschieden und entsprechend von unterschiedlichem Vermittlungs- und Bildungserfolg geprägt. Ziel sollte es eigentlich sein,  “den an den Bildungsmaßnahmen teilnehmenden jungen Menschen eine Brücke in eine reguläre Berufsausbildung bieten zu können, anstatt mit der ersten Teilnahme an einer Maßnahme des Übergangssystems eine „Maßnahmekarriere“, also eine aufeinanderfolgende unsystematische und nicht abschlussorientierte mehrfache Maßnahmeteilnahme der Ausbildungssuchenden zu beginnen.” (Quelle: BPB)

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Länger gemeinsam lernen

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Eigentlich wollte ich mit meinem Beitrag ein Loblied auf die Wahl der Ausbildung singen. Weil – ich finde wir müssen mehr von einer Gleichwertigkeit der Berufe reden. Ich finde das Handwerk und generell die Jobs der beruflichen Bildung genauso unverzichtbar und wichtig für unsere Gesellschaft, wie Menschen, die sich der Forschung, Kommunikation und den Wissenschaften verschrieben haben.

Aber das System macht es mir eben nicht einfach. Ich träume von einer Struktur wie in Finnland, bei der die Kinder neun Jahre lang gemeinsam lernen und erst dann entscheiden müssen, was ihnen liegt. Das längere gemeinsame Lernen nimmt Kindern und Eltern nicht nur Entscheidungsdruck. Ich glaube, dass es auch für den Zusammenhalt und den Respekt untereinander wertvoll ist, nicht so früh nach vermeintlicher Begabung getrennt zu werden. Schon aus soziologischer Sicht ist doch klar, dass sich dann Gruppen bilden, die voller gegenseitiger Vorurteile und Stigmatisierung sind. Wenn wir wirklich eine Wertschätzung für die Leistung jedes Menschen erreichen wollen, egal ob sie später einmal im Service, auf der Baustelle, im Hörsaal oder einer Agentur arbeiten, dann wäre eine längere gemeinsame Schulzeit ein erster Schritt.

Gleichzeitig halte ich große Stücke auf unser duales Ausbildungssystem – also die Kombi aus Betrieb und Berufsschule. Etwa 350 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe gibt es momentan. Was das duale System bislang gebracht hat: vergleichsweise geringe Jugendarbeitslosigkeit, vergleichsweise gute Ausbildung.

Aber es kann doch irgendwie auch nicht sein, dass dann motivierte junge Leute einfach im Übergangssystem stecken bleiben, nur weil der Markt keine Ausbildungsplätze hergibt?

Nicht nur wegen der persönlichen Lebensläufe, sondern auch, weil Fachkräfte jetzt schon fehlen. Tendenz steigend.

Eine Idee, dieses Dilemma zu beseitigen, kommt unter anderem von der Bertelsmann Stiftung, die sich für eine Ausbildungsgarantie ausspricht. Auch die Bundestagsfraktion der Grünen fände das gut. Jörg Dräger von der Bertelsmann Stiftung schreibt im Tagesspiegel:

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„Wir brauchen eine staatliche Ausfallbürgschaft für diejenigen, die trotz aller Unterstützung auf dem regulären Ausbildungsmarkt leer ausgehen. Wer das Abitur macht, hat in Deutschland faktisch eine Studiengarantie, die die staatlich finanzierten Hochschulen einlösen. Den viel jüngeren und hilfebedürftigeren Jugendlichen mit schwachen Schulleistungen müssen wir eine ebenbürtige Sicherheit bieten. Eine staatliche Ausbildungsgarantie ist eine Frage der Gerechtigkeit.”

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Schulqual statt Schulwahl

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Mein Fazit für den beruflichen Bildungsweg ist in der momentanen politischen Gemengelage ein eher moderates. Ich will, dass meine Söhne später einmal die absolute Wahlfreiheit haben. Dass sie nicht aus Prinzip Druck verspüren, studieren zu müssen, wenn sie doch viel lieber Holz schleifen würden oder im Biolabor tüfteln würden. Nicht für jedes Kind passt das Gymnasium, ist doch eigentlich logisch. Gerade erst hat der Philologenverband wieder veröffentlicht, dass der Elternwille nicht immer mit dem der Kids übereinstimmt und die Statistik der Kultusministerkonferenz zeigte, dass bundesweit mehr Schülerinnen und Schüler durchs Abi rasseln (Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/abiturienten-mehr-schueler-fallen-bundesweit-durchs-abitur/24145382.html).

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Aber gleichzeitig tue ich mir schwer so locker zu behaupten, mir wäre egal, für welchen Ausbildungsweg sich meine Kinder einmal entscheiden werden. Ich habe eben kein gutes Gefühl dabei, wenn sie dann untätig in der Warteschleife rumhängen müssten. Auch die Gleichwertigkeit von Berufen müsste im Idealfall gesellschaftlich angekommen sein. Aber vielleicht träume ich da und bin zu idealistisch. Ein bisschen Zeit haben wir ja immerhin noch, mein älterer Sohn ist bald 4 Jahre alt und mein Kleiner erst 1,5 Jahre alt. Angesichts der vielen ungelösten Probleme im Bildungsbetrieb beneide ich ehrlicherweise alle Eltern, die jetzt vor der Entscheidung stehen, nicht wirklich.

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Mehr zum Thema Schulkind und unserer zweiten Schulwoche findet ihr hier: KLICK

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Sabine Ponath kommt als Exil-Bayerin aus einem kleinen Dorf und lebt seit einiger Zeit in Berlin. Seit 2006 ist sie immer mal mehr, mal weniger politisch aktiv bei den Grünen. Zum Beispiel hat sie schon für den Bayerischen Landtag kandidiert oder war Sprecherin der Grünen Jugend Bayern. Die Leidenschaft hat sie sich zum Beruf gemacht und arbeitet seit 2008 als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Abgeordnete, erst im Landtag, dann im Bundestag. Dabei hat sie ihren Magister eigentlich in Pädagogik, Psychologie und Soziologie gemacht. Seit 2015 schreibt Sabine außerdem auf ihrem Blog „Mum & still me“, nicht nur über Politik, auch über ihr Leben als Zweifachmama und was sonst noch dazugehört.

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