Um ehrlich zu sein, wir können davon ja nicht genug bekommen, nie, never, never ever. Und endlich ist es nun wieder soweit, heute ist es Zeit für einen neuen Geburtsbericht für unsere Reihe „The day that…“. Diesmal erzählt Christina von dem Tag, an dem ihre Tochter zur Welt kam und sie zu Mummy machte. Los geht’s:

Manche Dinge im Leben lassen sich ja glücklicherweise nicht planen und so kam es, dass der errechnete Geburtstermin unserer Tochter auf Anfang Januar fiel. Ohne allen im Januar Geborenen zu Nahe treten zu wollen, aber kurz nach oder womöglich an Silvester Geburtstag zu haben… naja. 

Da es unser erstes Kind war, besuchten wir brav einen Geburtsvorbereitungskurs, in dem uns alle wichtigen Dinge zum Thema Geburt erklärt wurden: Erstgebärende entbinden meist eher später als früher, wenn die Geburt losgeht merkt man das schon, der Zeitabstand zwischen den Wehen steigert sich langsam und ein Blasensprung wie im Film mit einem lauten „Platsch“ kommt eigentlich so gut wie nie vor. Alles klar, dann wissen wir ja Bescheid! 

Weihnachten ging vorbei, unsere Pläne für den Silvesterabend standen und ich hatte mich mit Mitte Januar als Geburtsdatum arrangiert. Und so kam es, wie es kommen musste. Meine Schwester war zwischen den Feiertagen zu Besuch und wir schauten bis sehr spät nostalgisch Gilmore Girls. Kurz nachdem ich dann ins Bett gegangen und endlich eingeschlafen war, Platsch! Meine Fruchtblase platzte mit einen lauten Knall und alles war nass. Aber ich hatte keine Wehen, hieß das jetzt, dass es losging oder nicht? Und überhaupt waren wir doch erst nächstes Jahr dran, das konnte ja gar nicht sein. Also erstmal im Krankenhaus anrufen und nachfragen. Dort meinten sie, ich sollte lieber mit dem Krankenwagen kommen, da wir nicht wussten, ob das Köpfchen schon tief genug im Becken saß. 

Als ich zurück ins Schlafzimmer kam, meinte mein Mann, da würde etwas hängen. Etwas hängen, was denn? Fachmännisch diagnostizierte er, das sei bestimmt die Plazenta. WAAASS?? Die kurz darauf eingetroffenen Sanitäter konnten uns beruhigen, es war nur der Schleimpfropf. Puh! Sie beruhigten uns alle und einer der beiden erzählte, dass er auch in den nächsten Tagen zum zweiten Mal Vater werden würde. 

Photo: Robert Dörmer via Pixabay

Also ab ins Krankenhaus mit Mann und Schwester und dann hieß es erstmal warten. Unsere Kleine hatte offensichtlich Lust auf einen Spaziergang und so liefen wir Stunde um Stunde über den Krankenhausflur, wo überall Uhren auf den Gängen hingen um mir zu zeigen, dass die Wehen, als sie einsetzten, nicht in dem vorhergesagten Abständen, sondern von Anfang an jede Minute kamen. Als es langsam morgen wurde und wieder Leben in die Wochenstation kam, gingen wir zurück in den Kreisssaal. 

Zu diesem Zeitpunkt waren die Wehen schon recht stark und ich war vor allem eins: müde. Jedes Mal wenn ich hoffte, dass die Wehen doch bitte mal 5 Minuten Pause machen könnten um kurz zu nickern, zeigte das CTG eine Abnahme der Wehen an. Leider drohte die Hebamme auch jedes Mal prompt damit, mir etwas zu geben um diese wieder anzukurbeln. Die Drohungen hatten Erfolg und es ging wieder ordentlich zur Sache. Gefühlt war ich völlig in Trance, völlig bei mir und fasziniert davon, wie der Körper und die Natur übernommen haben. Rückblickend erinnere ich mich nicht einmal an alle Personen, die laut Geburtskarte im Raum waren. Irgendwann sagte die Hebamme, ich sollte mich mal auf den Rücken drehen und versuchen zu pressen. Und dann kam… nichts. Keine Presswehen, nichts. Also Zähne zusammenbeißen (also, äh, natürlich nicht wirklich, der Kiefer war suuuuper entspannt, auch das haben wir ja schließlich vorher gelernt) und ohne Wehen pressen. Zum Glück hatte es unsere Kleine dann plötzlich doch eilig und flutschte nach 3 Mal Pressen raus. Danach wurde genäht, das war für mich schmerzhafter als die eigentliche Geburt. Zum Glück hatte ich dann aber schon unser kleines, blaues, verschrumpeltes Bündel auf dem Arm, das mich wunderbar abgelenkt hat. 

Photo: Jun Yangvia Pixabay
Das Titelbild wurde uns von Christina zur Verfügung gestellt.

Leider habe ich viel Blut verloren und unsere Tochter hatte einen Rückfluss an Blut, was ironischerweise dazu führte, dass sie wiederum zu viel Blut hatte. Deshalb konnten wir die erste Nacht nicht gemeinsam verbringen. Glücklicherweise konnte ich aber viel bei ihr sein und stillen und es hat sich alles sehr schnell wieder eingependelt. Ich war auch hier wieder fasziniert darüber, wie manchmal alles von alleine klappte. Wie der große Körper wusste, dass er plötzlich Milch produzieren muss und der kleine Körper genau weiß, was zu tun ist, um an diese zu kommen.

Beim Entlassungsgespräch kam plötzlich ein Mann, der mir unheimlich bekannt vorkam. Nach kurzem Nachdenken fiel es mir ein. Es war der Sanitäter, der, wie sich herausstellte, noch am gleichen Tag im gleichen Kreisssaal Vater geworden war.

Jetzt, zweieinhalb Jahre später, ist unsere kleine Tochter natürlich nicht mehr ganz so klein. Die Eindrücke, die von ihrer Geburt noch immer sehr präsent sind, sind vor allem das Gefühl der Überwältigung über die Natur und die Kraft des Körpers. Selbst wenn nicht alles nach Textbuch läuft. 

Liebe Christina, danke, dass du uns deine Geschichte erzählt hast! Wir wünschen dir und deiner kleinen Familie von ganzem Herzen alles Liebe!

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