„Bei Ihnen ging das so flott, sie dürfen gern wiederkommen!“ –  so wurde Anne von den Hebammen im Kreißsaal nach der ersten Geburt ihres Sohnes verabschiedet. Das hat sie sich scheinbar zu Herzen genommen, denn auch ihre Tochter kam so schnell zur Welt, dass nicht mal der Papa es rechtzeitig in den Kreisssaal schaffte. Aber von Anfang an:

Meine Kinder halten nicht viel von Durchschnittswerten.
Vor allem nicht, wenn es sich um die Dauer einer Geburt handelt.
Mit großem Wumms knallten sie beim Blick auf den positiven Schwangerschaftstest in mein Herz, mit großem Wumms brachte ich sie auf die Welt. Vor allem meine Tochter hatte es dabei so eilig, dass ich sie am Ende ohne meinen Mann an der Seite, allein im Kreißsaal empfing…

Zwei Jahre nach der Geburt unseres Sohnes wurde ich erneut schwanger. Mein Mann und ich haben uns immer einen geringen Altersabstand zwischen den Kindern gewünscht. Woran wir dabei allerdings nicht dachten ist, dass die Geburt dieses Mal noch schneller vonstatten gehen könnte. Unser Sohn brauchte von der ersten Wehe bis zum ersten Schrei etwas über fünf Stunden. Drei davon verbrachte ich nach einer rasanten Taxifahrt im Kreißsaal. Die Hebamme entließ uns damals mit den Worten: „Bei Ihnen ging das so flott, sie dürfen gern wiederkommen!“.

Während der zweiten Schwangerschaft tauchte dieser Satz immer wieder in meinen Gedanken auf. Vor allem im letzten Trimester beschäftige mich die bevorstehende Geburt sehr. Ich hatte Angst, es nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus zu schaffen, denn schnelle Geburten liegen anscheinend in meiner Familie. Auch mein Bruder und ich kamen innerhalb weniger Stunden auf die Welt. Meine Mama erzählt diese Geschichten heute noch gern. Mit meiner Hebamme besprach ich also nicht nur die Geburt meines Sohnes, die noch nicht lange zurück lag, sondern auch meine eigene. Sie empfahl mir für den Ernstfall alles für eine spontane Hausgeburt parat zu haben, damit ich mich sicherer fühle. Ihrer Erfahrung nach dauert die Geburt eines weiteren Kindes, vor allem bei so einer zügigen Erstgeburt und dem geringen Abstand zur jetzigen, etwa halb so lang wie die erste. Sie würde am Ende damit Recht behalten.

Die letzte Schwangerschaftswoche brach an. Am Donnerstag, fünf Tage vor dem errechneten Termin, hatte ich ein CTG bei meiner Frauenärztin. Für meinen Mann war es der erste Urlaubstag. Wir saßen in der Praxis, alberten herum, ab und zu spürte ich eine leichte Wehe, die das Gerät auch aufzeichnete. Die Ärztin wertete die Ergebnisse knapp aus. „Rechnen Sie mit einem Sonntagsbaby.“ In der Vorahnung, dass es nicht mehr lang dauern wird, bis wir zu viert sind, gingen wir ein letztes Mal gemeinsam Mittag essen und holten unseren Sohn aus dem Kindergarten ab. Wir verbrachten den Nachmittag gemeinsam und als er am Abend schlief, trafen wir uns auf der Couch, um noch einen Film zu sehen. Die Wehen, die ich am Vormittag verspürte, waren komplett abgeklungen.

Gegen 22 Uhr legten wir uns zu unserem Sohn ins Bett. Ich schlief sofort ein und wurde etwa fünfeinhalb Stunden später von einer Wehe geweckt. Da ich schon mal wach war, nutzte ich die Gelegenheit, um auf Toilette zu gehen. Zehn Minuten später im Bett die nächste Wehe. Ich fing an auf die Uhr zu gucken. Die Abstände waren zwar groß, aber die Intensität bereits sehr hoch. Weitere zehn Minuten später die nächste Wehe. Zwischenzeitlich wachte mein Mann durch mein Tönen auf. Ohne ihm sagen zu müssen, dass es jetzt wohl los geht, stand er auf und ging duschen. Ich watschelte hinterher und putzte mir währenddessen die Zähne. Wir weckten unseren Sohn. Bei der Voranmeldung im Krankenhaus bekam ich die Information, dass wir ihn notfalls mitbringen könnten, er dann aber mit meinem Mann vor dem Kreißsaal warten muss bis das Baby da ist. Auf diese Information verließ ich mich. Gegen 5 Uhr kamen wir im Krankenhaus an. Mein Mann frisch geduscht, unser Sohn noch im Schlafanzug und ich Wehen mit Abständen von drei Minuten veratmend. Während mein Mann noch einen Parkplatz suchte, schleppte ich mich in den Kreißsaal.

Eine der diensthabenden Hebammen öffnete mir die Tür. Ich nannte ihr meinen Namen, gab ihr meinen Mutterpass und sagte, dass gleich noch mein Mann mit unserem Sohn kommt. „Nein, Ihr Sohn kann leider nicht hier warten. Er muss mit dem Papa wieder nach Hause.“ Ich habe in diesem Moment überhaupt nicht begriffen, was das bedeutete. Zu sehr war ich damit beschäftigt meine Schmerzen zu veratmen. Ich küsste meine Familie zum Abschied und wurde von der Hebamme zum Kreißsaal-Bett begleitet. Nachdem ich mich umgezogen hatte, holte sie meine Akte. Dort war bereits durch die Voranmeldung der Name unserer Tochter vermerkt.

 

Leni.

Von da an sprach sie nicht mehr vom Baby, sondern nur noch von Leni. Ich weiß nicht warum, aber dieser Umstand gab mir enorm viel Kraft. Es war nicht mehr „das Baby“, das auf die Welt kommen wollte. Es war Leni, unsere Tochter. Auch, dass die Hebamme sich die meiste Zeit im Hintergrund hielt und mich machen ließ, bestärkte mich. Ich hatte das Gefühl, ich kann vollkommen auf meinen Körper vertrauen und mich auf die Geburt einlassen.

Nur einmal brachte sie mich aus der Fassung, als sie sagte: „Ich sehe schon, sie sind der Typ für drei Kinder.“ Ich erwiderte: „Nein, (pff-pff-pff) nach diesem hier (pff-pff-pff) sind wir fertig (pff-pff-pff).“ Immer wieder schaute ich auf die Uhr, die ich durch meine Position im Bett bestens im Blick hatte. 6 Uhr. Ich dachte daran, dass jetzt der Kindergarten öffnet. Mein Mann gab zu diesem Zeitpunkt unseren Sohn dort ab und kämpfte sich durch den Berufsverkehr zurück ins Krankenhaus. Bei mir hatten inzwischen die Presswehen eingesetzt. Die Hebamme holte eine Ärztin dazu. 6.20 Uhr. Leni war da. Ganz rosig und sehr laut. Ich legte sie mir auf die Brust. Nachdem ihre Nabelschnur auspulsiert war, durfte ich sie durchschneiden. 6.30 Uhr. Ein leises Klopfen an der Kreißsaal-Tür. Mein Mann kam herein. Ich sagte zu ihm: „Leni ist da. Du hast sie um zehn Minuten verpasst.“ Der Rest war weinen, lachen und staunen. Über unser Kind. Über meine Kraft. Und darüber, dass das größte Glück einen am Freitag, den 13. überraschen kann.

Liebe Anne, wirklich unglaublich, was Leni da für einen Raketenstart hingelegt hat, als sie in euer Leben geknallt ist! Dankeschön, dass du eure verrückte Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen dir und deiner zauberhaften Familie alles Liebe! 

Alle Bilder wurden uns von Anne zur Verfügung gestellt. Wer mehr von ihr sehen möchte, folgt ihrem entzückenden Kanal bei Instagram: @frau_schaminski 

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Dass es nicht immer so schnell von statten geht, lest ihr bei Evelyn: The day that Matilda was born.

„Julius sorgte für gute Musik und ich tanzte die Schmerzen der Wehen einfach weg.“ Sarah erzählt von der Geburt ihrer Tochter Martha.