
Ach Statistik. Manchmal bist du einfach scheiße. Weltfrauentag steht an. Frauen seien doch schon so gleichberechtigt, höre ich immer wieder. Die Truppe von der AfD fürchtet um Benachteiligung der Männer. (Mir kommen die Tränen. Nicht.) Es geht uns doch schon so gut in Deutschland. Wir dürfen arbeiten und wählen.
Alles könnte so schön sein.
Wenn da nicht diese Statistik wäre. Zahlen, voller Tränen. Voller gebrochener Herzen und gebrochenen Knochen. Vergewaltigung. Schlaflosen Nächten. Voller blauer Flecken, verschämt verdeckt. Angstschweiß. Können Zahlen das überhaupt wiedergeben?
Die harten Zahlen


Was kann ich tun, wenn ich von Gewalt bedroht bin?
„Jeder Mensch hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich.“
Braucht ihr Hilfe oder kennt ihr jemanden, der Hilfe benötigt?
Im Akutfall:
Ruft die Polizei. Macht genaue Angaben zur Situation, zu den Beteiligten, zu möglichen Waffen, Verletzungen, Alkohol- oder Drogenkosum und darüber, ob Kinder anwesend sind. Häufig nimmt die Polizei den Gewalttäter mit einem polizeilichen Platzverweis aus der Wohnung, nimmt ihn gegebenenfalls auch in Gewahrsam oder spricht ein Kontaktverbot aus. Aus rechtlichen Gründen muss die Polizei die Dauer des Platzverweises zeitlich befristen. Grundsätzlich darf sie ihn über den Zeitraum aussprechen, solange eine Gefahr für Sie als Opfer besteht, sowie für den Zeitraum, den Sie benötigen, um eine zivilgerichtliche Schutzanordnung nach dem Gewaltschutzgesetz (GewSchG) zu erwirken. Bei einem Strafverfahren ist die Polizei stark auf die Mithilfe der Betroffenen angewiesen. Dazu kann gehören, bei Verletzungen direkt einen Arzt aufzusuchen, den Arzt von seiner ärztlichen Schweigepflicht zu entbinden und der Polizei ein ärztliches Attest vorzulegen.
Wo erhaltet ihr Beratung?
Frauen gegen Gewalt e.V. hat eine Datenbank online gestellt, bei der ihr Beratungs- und Hilfsangebote vor Ort finden könnt: https://www.frauen-gegen-gewalt.de/
Erstellt einen Notfallplan
Die bayerische Polizei bietet einen kostenlosen pdf-Flyer an, auf dem ihr ab Seite 20 einen Persönlichen Sicherheitsplan findet. Dort seht ihr alle KONKRETEN Schritte, mit denen ihr eine mögliche Flucht vorbereiten könnt. Außerdem erfahrt ihr wichtige und hilfreiche Hinweise, die euch für den Notfall rüsten können. Den Flyer gibt es hier: https://www.bestellen.bayern.de/

Das klingt jetzt alles so dramatisch, aber ich finde ehrlich gesagt, das ist es auch. Ich persönlich kenne zum Glück niemanden, der Gewalt in der Beziehung erfahren musste – aber wer weiß schon, was sich alles im Verborgenen abspielt. Es macht mich unglaublich traurig, wenn Frauen sich dafür schämen, mit ihrem Leiden an die Polizei, zum Arzt zu gehen und deshalb weiter Tag für Tag Qualen erleben müssen. Wenn sie aus Angst um Versorgungssicherheit und aus Angst um ihre Kinder und die schwierigen Rechtsfolgen einer Trennung verständlicherweise eine große Hemmschwelle haben, sich endlich befreien zu können.
Mindestens genauso schlimm jedoch ist, wenn es Frauen gibt, die Hilfe suchen und sich schwer damit tun welche zu finden. Die Frauenhäuser in Deutschland sind chronisch unterfinanziert – egal ob in „reichen“ Bundesländern wie in Bayern oder ob im klammen Berlin. Mir stellt sich vor dem Hintergrund die Frage, ob der Opferschutz nicht Bundesländer übergreifende Aufgabe sein müsste. Es kann doch nicht sein, dass Frauen, die ihr Zuhause verlieren, denen also der Boden unter den Füßen weggezogen wurde, nicht aufgefangen werden können! Der Bund könnte zum Beispiel einen Rechtsanspruch für Frauen auf Schutzraum einführen und Frauenhäuser und Beratungsstellen langfristig finanzieren. Er müsste es eigentlich sogar. Deutschland hat sich mit der Ratifizierung der Istanbul-Konvention verpflichtet, spezialisierte, langfristige Hilfsdienste für Opfer von Gewalt bereit zu stellen. Das Familienministerium hat das Problem immerhin auf dem Schirm und will Gelder bereitstellen – wie genau das aussehen soll, wer es bekommt und wie die Gesamtkosten dann langfristig getragen werden können, war mir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar.

MACHT MIT!
Wir wollen möglichst viele Frauen mit unserem Aufruf erreichen – ihr seid nicht allein! Deshalb würden wir uns freuen, wenn ihr an unserer Kampagne STOP zu Gewalt an Frauen heute am Frauentag auf Instagram teilnehmen würdet. So könnt ihr helfen: 1. rote Farbe (z.B. Lippenstift) mit STOP auf eurer Hand, 2. Foto davon auf Instagram, 3. Teilt euer STOP mit dem Hinweis darauf, wie Betroffene an Hilfe kommen, wie sich im Notfall am besten verhalten. Wir freuen uns, wenn ihr bei dieser wichtigen Sache dabei seid und unseren Aufruf streut.
#STOPzuGewaltanFrauen
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Unser Esprit Styling-Event am Frauentag
Für Gleichstellung & Frauenrechte

Auch wenn sich in den letzten 100 Jahren viel getan hat, herrscht zwischen den Geschlechtern immer noch ein großes Missverhältnis. Wenn es im jetzigen Tempo weitergeht, dauert es noch 217 Jahre, bis die wirtschaftliche Gleichstellung von Männern und Frauen erreicht ist. Für uns: ein No Go! WEITERLESEN